Wenn das Fußballfieber ausbricht...
Als im vergangenen Sommer Ballack, Kuranyi & Co. bei der Europameisterschaft um das runde Leder kämpften, saßen auch sieben Mädchen aus der kleinen Gemeinde Schlangen (NRW) gebannt vorm Fernseher. Keine von ihnen ahnte, dass sie wenige Monate später selbst im Mittelpunkt stehen würden.
Die Vorreiter: Marlen Müller, Rabea Wolf, Nadine Siesenop, Julia Smykalla, Anna Ohlig, Louisa Voß und Johanna Friebel (v. l.), Foto: Schlänger ZeitungWas war geschehen? Ganz unvermutet hatte sie der Fußballvirus gepackt. So entstand der Wunsch, selbst das Runde ins Eckige zu befördern. Die Frage war nur, wo und wann?!
Die Schülerinnen machten sich kurzerhand schlau, wo es in der Nähe einen Verein mit einer Mädchenmannschaft gibt. Das Ergebnis war ernüchternd: zu weit weg! Doch wahre Kickerinnen sind nicht unterkriegen. Manchmal fehlt halt nur ein kleiner Anstoß. Und der kam von einem der Väter. "Macht das doch einfach selbst", riet ihnen Pastor Thomas Friebel. Recht hatte er!
Etwas ungläubig waren die sieben Fußball-Freundinnen schon, ob sich so einfach eine Mädchenmannschaft gründen ließe. "Wir haben dann das "Westfälische Volksblatt" gebeten, über unser Anliegen zu berichten", so Julia Smykalla.
"Ende November 2004 erschien der Artikel. Viel getan hat sich zunächst nicht. Es meldeten sich darauf nur zwei Mädchen, die sich uns anschlossen." Dennoch ließen die Schlängerinnen nicht locker.
Trainerin GerbschErste Kontakte mit einem benachbarten Männerfußballverein brachten sie einen Schritt weiter. "Wir waren echt froh, dass man uns bei der Trainersuche unterstützten wollte. Tatsächlich fand sich bald eine Fußballtrainerin, die unsere Idee super fand", erklärt Johanna Friebel.
Die 48-jährige Trainerin Dagmar Gerbsch vom SSV Oesterholz coachte zuletzt ein Jungen-Team, doch die neue Aufgabe reizte sie besonders. Früher spielte sie nämlich selbst als Libero. "Ich weiß noch, wie schwer wir es damals als Damenteam hatten, daher habe ich gleich zugesagt. Das ist eine ganz tolle Sache, dass sich wieder fußballbegeisterte Mädchen zusammengefunden und die Initiative zur Gründung einer Mannschaft ergriffen haben."
Nun fehlte den sieben Schlängerinnen, die die 7. und 8. Klasse des Gymnasiums Horn besuchen, nur noch eins: eine komplette Mannschaft. Wie sollte man die Unentschlossenen erreichen? Ob ein zweiter Aufruf in der Zeitung etwas bringen würde? Gesagt, getan. "Die Zeitung hat mit einem weiteren großen Artikel unser erstes Training angekündigt. Alle interessierten Mädchen im Alter von 12 bis 15 Jahren haben wir zum 11. Januar 2005 eingeladen. Natürlich hatten wir unsere Zweifel, ob überhaupt Neue kommen", gibt Johanna offen zu.
Gespanntes Warten auf das 1. TrainingHeimlich, still und leise scheint jedoch das Fußballfieber wie ein Lauffeuer durch den Ort gegangen zu sein. Denn was die sieben Kickerinnen am ersten Trainingstag erlebten, hätten sie sich in ihren kühnsten Träumen nicht ausgemalt:
Sage und schreibe 32 Fußball-Anhängerinnen (!) drängten sich auf den Bänken. "Daß so viele Mädchen zu diesem Schnuppertraining kommen, damit hat niemand gerechnet", stellte sichtlich beeindruckt Jugendobmann Heiko Biere fest. Alle Mädchen hatten ihren Spaß am Training und jagten ehrgeizig dem Ball hinterher. Bei den Drei-gegen-Drei-Spielen machte Fußballtrainerin Gerbsch schon gleich einige Talente aus.
Die sieben Gründungs-Mitglieder Marlen, Rabea, Nadine, Julia, Anna, Louisa und Johanna sind heute stolz darauf, was sie ins Rollen gebracht haben: "Unglaublich, mittlerweile sind wir schon auf 42 Spielerinnen angewachsen! Wegen der kleinen Halle haben wir uns in zwei Mannschaften aufgeteilt. Vielleicht findet sich noch ein freier Termin, damit wir - bis es nach draußen geht - in der Dreifach-Turnhalle trainieren können." Das Problem wird sicherlich auch gelöst, denn "Wo ein Wille ist, ist ein Weg."
Johanna und ihre Freundinnen würden sich wünschen, daß auch andere fußballbegeisterte Mädchen im Lande selbst in die Offensive gehen, um eine Mannschaft zu gründen. Nicht ganz ohne Hintergedanken. Mit einem Augenzwinkern liefert Johanna einen triftigen Grund: "Um auch auf dem Platz Erfolge feiern zu können, brauchen wir natürlich viele Gegner!"
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